100 Jahre zwischen Kriegen

Militarisierte Territorien / Territori militarizzati – Dt./Ital. 

Vergessen, Verwerten, Infrastrukturen: Eine Recherche an der toskanischen Küste 

Italien ist überreich an historischen Zeugnissen, dabei denkt man an Etrusker und Römer, Renaissance und Barock, kaum an die Hinterlassenschaften der letzten 100 Jahre. Und selten entdeckt man an einem Toskana-Strand soviel „brachliegende“ Geschichte, von Mussolini‘s Ferienlagern und der ersten italienischen Cinecitta bis hin zu den Konsequenzen der jüngsten NATO-Beschlüsse: ein Besuch entlang des elf Kilometer langen Küstenstreifens zwischen Arno-Mündung und Calambrone. 

Wer in der Toskana ans Meer will, steuert die mondänen Badeorte der Versilia an, die kleinen Buchten südlich von Livorno oder die breiten Sandstrände der Maremma. Zwischen der Arnomündung und Livorno liegt eine Zone, die wenig spektakulär erscheint: die flache Küste der ehemaligen Seefahrerrepublik Pisa, Jahrzehnte lang touristisch unbeachtet, heute im Umbruch. Mussolini gründete hier Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Stadt Tirrenia, die „Perle des Mittelmeers“, die „Stadt der Kinder“ in Calambrone und die erste Cinecittà Italiens „Pisorno“. Eingebettet in das Naturschutzgebiet des Parco Migliarino San Rossore Massaciuccoli und in direkter Nachbarschaft zum Militärdepot der US-Streitkräfte „Camp Darby“ trifft man hier auf hohe Sanddünen, weitläufige ruinöse Baukomplexe und die Umwandlung ehemaliger faschistischer Kinder-Strandkolonien in touristische Resorts mit Kleinappartments. 

Die Zufahrt zu dieser Zone zwischen Marina di Pisa und Calambrone ist labyrinthisch: von Livorno aus kommend irrt man mit dem Auto durch den weitläufigen Hafen-Komplex, von Pisa aus sucht man im Industrieviertel vergeblich nach Ausschilderung. Der von Pisa 13 km entfernte Küstenort Marina di Pisa (seit 1884 durch eine Dampfstraßenbahn mit der Stadt verbunden) wirkt mit seinen zweigeschossigen Häusern und den breiten, baumlosen Straßen noch immer wie ein metaphysisch anmutendes Film-Setting. Er war ein kleines Fischerdorf, wo sich u.a. Gabriele d’Annunzio (1863 – 1938) zu den Gedichten seiner„Alycone“-Sammlung inspirieren ließ – bis 2013 der neue Yachthafen mit 344 Anlegeplätzen eröffnet wurde. Der ist Teil eines groß angelegten Projekts der „riqualificazione“, d.h. Aufwertung der Pisaner Küste im ersten Viertel des neuen Jahrtausends. 

Der historische Seehafen der Republik von Pisa (ca. 1000 – 1406) lag einst etwas weiter südlich in Calambrone. Nach Einnahme durch die Florentiner im 15. Jahrhundert versandete er im Laufe der Zeit. Es war Benito Mussolini, der Duce und Regierungschef des italienischen faschistischen Regimes, der diesem Niemandsland eine neue Zukunft versprach. Schon in 20er Jahren wurde das sumpfige Hinterland mit einem Bewässerungssystem trocken gelegt. Zur weiteren urbanistischen Entwicklung initiierte die Ente Autonoma Tirrenia (1932) dann innerhalb von sieben Jahren den Badeort Tirrenia, sieben monumentale Kinder-Kolonien in Calambrone, die erste Cinecittà Italiens „Pisorno“ (noch vier Jahre vor der römischen Gründung) und die CMASA (Costruzioni Meccaniche Aeronautiche), eine Betriebsgesellschaft zum Bau von Dornier-Flugbooten. Kein einziges Schild weist heute auf diese Geschichte hin. Ein Großteil der Gebäude aus den 30er Jahren steht noch – manche in Ruinen, manche konvertiert in touristische Resorts. Fährt man die Küste entlang des Viale del Tirrenio, zieht eine Geisterkulisse an einem vorbei. 

Der Badeort Tirrenia wurde von Mussolini feierlich am 3.November 1932 gegründet, schon im Januar 1933 wurde der Architektenwettbewerb zugunsten einer rationalistischen Architektur entschieden. Bis Kriegsbeginn konnten indes nur wenige 

Bauten realisiert werden: der Bahnhof (1932), die Bar/Tabaccheria des Herrn Torelli (1934/35), die Pension Vittoria (1935/36), der Komplex des Hotel Imperiale (1939) und einige private Häuser. Die 1936 eröffnete Bahnlinie zwischen Pisa und Livorno verzeichnete jedoch bald einen schwunghaften Aufstieg: von 1.157.043 Passagieren im ersten Jahr hin zu 3.721.635 Fahrgästen im Jahr 1942. Im Sommer vor dem italienischen Kriegseintritt frequentierten zu jeder Stunde 1000 Passagiere die Strecke zum Meer und entlang der Küste. Die Familie Torelli verlegte ihre Bar (inzwischen eine Pizzeria) 2015 schließlich nach Calambrone. Der Hotelkomplex Imperiale wurde 1996 geschlossen und beherbergt heute einen Spielsalon und Apartments. Das Hotel Vittoria ist weiterhin in Betrieb. In Tirrenia überwiegen heute die kleinen Neubauten der Nachkriegszeit. Vom Flair des faschistischen Hollywoods keine Spur mehr. 

Die Filmstudios „Pisorno“, das „Hollywood“ der tirrenischen Küste, werden auch heute noch auf Google Maps angezeigt, sind aber weithin dem Vergessen anheim gefallen. Wenn ich am Osterwochenende 2025 nicht den zwölfjährigen Stefano und seine gleichaltrigen Freunde getroffen hätte, wäre ich wohl nicht weiter gegangen. Ich näherte mich, soviel verstand ich später, dem Studio-Komplex von der Rückseite aus. Vorbei an einem Golfklub quer durch die Büsche trifft man auf einen gigantischen halbrunden, zweigeschossigen leerstehenden Bau, der seit einem Jahr wieder zum Verkauf ansteht. Ein erster Anlauf, dort touristische Unterkünfte einzurichten, scheiterte.. Für die Zwölfjährigen ist der Baukörper – überzogen mit Graffitis – ein gefährlicher Abenteuerspielplatz, zu späterer Uhrzeit ein Treffpunkt der Drogenszene. 1933 wurden die Studios nach Plänen des Architekten Antonio Valente in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Giovacchino Forzano errichtet und 1937 eröffnet, um Propagandafilme des Mussolini-Reichs zu produzieren. „Pisorno“ – eine Kombination der Städtenamen Pisa und Livorno – hatte zunächst drei, dann fünf Filmstudios, darunter die beiden größten Europas mit Ausmaßen von 50 x 30 x 16 m. Es waren die ersten Studios für Tonfilme auf einem 200.000 qm großen Terrain. Bis zu 15 Filme wurden dort pro Jahr mit modernster Ausstattung produziert: innovative, bewegliche Lichttraversen, Zimmer für Schauspieler und Komparsen, Schneiderei, Depot für 8000 Kostüme, Friseure, Kosmetikstudios, Werkstätten, Projektionsräume, Einrichtungen für die Entwicklung der Filme und Druckwerkstätten, Räume für Techniker, eine Mensa … Verschiedene Wettbewerbe zur Förderung der Film-Propaganda wurden unter Mussolini ausgeschrieben, eine der ersten Produktionen war „Camicia Nera“ (1933) von Giovacchino Forzano , der die Geschichte einer italienischen Familie von 1914 bis 1932 erzählt, aus der Armut in die Emigration in das gloriose Zeitalter des Duce. Der Film lief nicht nur in allen italienischen Kinos, sondern auch in Berlin, Paris, London und New York. Valente hatte das Bühnenbild entworfen. 

Er war ein treuer Anhänger und Freund von Mussolini, entwarf auch Luxuswohnungen im Umfeld der Studios und nach dem Krieg 1954 die Kirche San Francesco in Tirrenia. Dort erinnert seit 1995 eine Steininschrift an ihn. Die Straße vor dem Pisorno-Komplex heißt noch heute Via Pisorno und geht vor den Studios über in die Via Antonio Valente. 

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Studios erst von den Deutschen, dann von den Amerikanern besetzt (bis 1952 das nahegelegene Camp Darby eingerichtet wurde). Es entstanden in den ersten Nachkriegsjahren noch beeindruckende Filme wie „Tombolo, Paradiso nero“ von Giorgio Ferroni (1947) oder „Senza Pietà“ von Alberto Lattuada (1948) über den Alltag vor Ort, geprägt von Armut, Schwarzhandel, Prostitution und der Präsenz der amerikanischen Soldaten. Im benachbarten Livorno gibt es bis heute einen – ehemals legendären – Mercato Americano, wo u.a. erstmals Colgate Zahncreme, Luky Strike- Zigaretten und Marshmallows angeboten wurden. In den darauf folgenden Jahren arbeiteten große Namen in Pisorno, u.a. die Regisseure Joseph Losey, Vittorio de Sica, Sergio Corbucci, Marco Ferreri und Elio Petri. 

1961 versuchte der Filmproduzent Carlo Ponte mit seinem Cosmopolitan Film ein Revival der Studios, dass allerdings nur acht Jahre anhielt. 1987 öffneten Paolo und Vittorio Taviani die inzwischen umbenannten Studios „Cosmopolitan“ noch einmal, um Szenen für „Good Morning Babilonia“ zu drehen, ein Film über zwei toskanische Brüder, die sich aufmachen, ihr Glück im amerikanischen Kino zu finden. 1979 kauften Carlo Ponti’s Tochter und Schwiegersohn Guendalina und Walter Veltroni (der spätere Bürgermeister von Rom und ital. Kulturminister) das Terrain zur touristischen Entwicklung und bauten eine erste Golfanlage. 1990-1993 wurde ein Club House von Aldo Rossi errichtet. Die Studios im „historischen Zentrum” der Filmstudios sollten zu einem multifunktionalen Kongresszentrum und die drei angrenzenden Studios in ein Hotel umgewandelt werden. Aldo Rossi’s Pläne und Zeichnungen befinden sich heute im Archiv der MAXXI Museums in Rom. 2001 ging das Terrain inmitten des Naturparks in das Eigentum lokaler Unternehmer über. 

Erst vor wenigen Tagen, am 8.Juli 2025) wurden 20 Tafeln aufgestellt „zu Ehren der Filmstudios von Tirrenia und des italienischen Kinos, das hier seine Anfänge
hatte“ (pisatoday.it). Die Installation wurde von der Gemeinde Pisa an der Außenwand der ehemaligen Cosmopolitan-Studios realisiert.„In Tirrenia hat sich die Geschichte des italienischen Kinos abgespielt“, sagte Bürgermeister Michele Conti. „Mit dieser Installation wollten wir einer wichtigen Geschichte Tribut zollen und der Geschichte unserer Stadt, die sonst Gefahr läuft, völlig in Vergessenheit zu geraten, wieder Würde verleihen.“ Auf den Stelltafeln sieht man Fotos aus einigen Filmen, die zwischen 1934 und 1969 in Tirrenia gedreht wurden, darunter „Enrico Caruso” mit Gina Lollobrigida (1951), „Pellegrini d’amore” mit Sophia Loren (1954), „Il coraggio” mit Totò (1955), „Tre straniere a Roma” mit Claudia Cardinale (1958), „Frenesia dell’estate” mit Vittorio Gassman und Sandra Milo (1964) und „Donna scimmia” mit Ugo Tognazzi (1964). 

Wenige hundert Meter weiter entlang der Küste geht Tirrenia in Calambrone über. Zum Meer hin liegen die inzwischen privatisierten Strandbäder mit ihren teils historischen Eingangsportalen aus den 30er und 50er Jahren: Bagno Tirrenia, Bagno Venere, Bagno Roma, Bagno Vittorio… Eine Gruppe junger Mädchen rät davon ab, das Bagno degli Americani zu frequentieren, da würden sich zu viele Jungs herumtreiben. Ganz am Ende des Viale del Tirreno erheben sich die Kräne der Livorneser Hafenanlage. Calambrone hatte bis 2005 keinerlei urbane Infrastruktur. Überhaupt lebten bis dahin zwischen Marina di Pisa und Calambrone nur 600 Einwohner. Mit dem neuen Strukturplan, der 1995/1998 verabschiedet und 2005 noch einmal revidiert wurde, startete dann das große Stadtentwicklungs- und Immobilienprojekt: „Il Nuovo Calambrone“. 80.000 qm Baubestand sollten wiederverwertet und vermarktet, Neubauten auf 75.000 qm hochgezogen werden. Ein Drittel der 660.000 qm von Calambrone – innerhalb des Parco Migliarino San Rossore Massaciuccoli. – soll zukünftig bebaut sein. Der architektonische Bestand der ehemaligen Mussolini-Kolonien durfte zu 90% privatisiert werde. Die einzige Kolonie, die in 2025 noch nicht „restrukturiert“ ist, ist die Colonia Firenze. Die anderen sechs monumentalen Komplexe wurden dem Tourismus überlassen. 

Während auf der rechten Seite des Viale zum Meer hin die sieben ehemaligen Sommer- Kolonien und zahlreiche weiträumige Altbau-Ruinen liegen, wurde links der Straße ein Centro Commerciale errichtet mit Kaufläden, Apotheke, Gelateria, Pizzeria und Immobilienbüro. Schräg gegenüber der Colonia Rosa Maltoni Mussolini (1932-35) liegt das ehemalige amerikanisches Krankenhaus noch in Trümmern, laut einer Konvention von 2021 soll es in Zukunft den Vigili del Fuoco, der Feuerwehr dienen. Manche der ehemaligen Ferienlager, die Hunderttausende italienische Kinder über vier Jahrzehnte aufnahmen, tragen noch ihre historischen Namen auf den Eingangsportalen oder Fassaden: Casa al Mare il Fabbricone, O.P.A.F.S Soggiorno Vacanza per Figli dei Ferrovieri, Colonia Vittorio Emanuele III, Soggiorno Vigili del Fuoco S. Barbara, Lido Polizia di Stato usw. Kommerzialisiert heißen sie nun: Toscana Sport Resort, Regina del Mare s.r.l./Residence „Beach & Sport“ oder Toscana Charme Resort. An diesen neuen, touristischen Strukturen finden sich straßenseitig bis zu 60 Briefkästen pro Gebäude, ein Großteil allerdings noch namenlos. Online-Immoblienportale bieten 196 Apartments in Marina di Pisa, 210 in Tirrenia und 96 in Calambrone an. Es handelt sich um kleine, luxuriöse Eigentumswohnungen mit 50-80qm Wohnfläche, oft mit Poolnutzung, und einem Quadratmeterpreis von 4-5000 Euro. In keiner der Annoncen wird auf die faschistische Baugeschichte Bezug genommen, kaum sieht man Fotos der Außenansichten, gar des gesamten Baukomplexes. „Stellen Sie sich vor, Sie wachen jeden Tag mit dem Rauschen der Wellen und dem Duft des Pinienwaldes auf. Dieses Loft ist mehr als nur ein Zuhause: Es ist ein sinnliches Erlebnis, ein zeitloser Ort, der den Charme der Geschichte mit der Eleganz zeitgenössischen Designs verbindet“ (aus einer der Anzeigen). Von Herbst bis Frühjahr – außerhalb der Badesaison – ist Calambrone weiterhin eine Geisterkulisse. Im Sommer wird jeder Quadratmeter Strand vermarktet – auch wenn ein Großteil der Liegestühle im Juli 2025 nicht belegt ist. An der nördlich gelegenen Versilia-Küste macht sich in diesem Sommer Krisenstimmung breit: das Meer ist 30 Grad warm, die Luxusbäder funktionieren, aber die mittlere Kategorie der Strandbetriebe, üblicherweise von Italienern genutzt, bricht ein. 

Während der Massentourismus bekanntlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einsetzte, wurden die Heilkräfte des Meeresklimas schon zu Zeiten der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts medizinisch verwertet. Um 1869 kamen in Italien 22-24 % der Neugeborenen krank zur Welt. Tuberkulose und Skrofulose waren die Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit. 1842 eröffnete das erste „Ospizio Marino di Lucca“ in Pisa, um tuberkulöse Kinder zu heilen. Schon 1872 wurde das Krankenhaus erweitert. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Italien bereits 50 solcher Einrichtungen – meist in peripheren Zonen, um dem aufkommenden Tourismus nicht in die Quere zu geraten. Mit der Gründung des Gründung der Opera Nazionale Barilla 1926 (später Opera Nazionale per la Protezione della Maternità e Infanzia) übernahm das faschistische Regime Italiens die Verantwortung für die patriotische Ertüchtigung der kleinen „Neuen Menschen“. Kindheit wurde zum nationalen Projekt eines parteiischen Körperkults. Sechs- bis 13jährige Kinder sollten im Sommer zwei Wochen am Meer verbringen mit einem präzisen kollektiv-militaristischem Beschäftigungsplan. Das Personal in den Einrichtungen war „di secura fede fascista“. Namen 1927 noch 80.000 Kinder an diesen Erholungsprogrammen teil waren es 1938 bereits 772.000 Kinder. 1942 gab es in ganz Italien 5805 Einrichtungen dieser Art für 940.615 Kinder. Der Maßstab war bedeutend größer als der der Kinderlandverschickung im Nazi-Deutschland, die Kinder vor allem während des Kriegs evakuieren sollte. Entlang der adriatischen Küste, aber eben auch in Calambrone und Marina di Massa in der Toskana sollten die Kolonien Mussolini’s die „magnificenza e generosità del regime“ (Großartigkeit und Großzügigkeit des Regimes) verkörpern und schon die Kleinsten und ihre Familien beeindrucken. . 

Zwischen 1932 und 1939 entstanden in Calambrone sieben solcher Sommer-Kolonien direkt an den Sanddünen, kaum 100 m vom Meer entfernt: die Kolonien Rosa Maltoni Mussolini, Firenze, Principe di Piemonte, Regina Elena, Servizi di Calambrone, Fasci Italiani all’Estero, Vittorio Emanuele III und Marina Costanzo Ciano. Es sind allesamt flache, moderne, weitläufige, monumentale Komplexe, die in ihren Grundrissen oft 

faschistische Motive aufgreifen und über alle notwendigen Versorgungseinheiten verfügen wie Schlaf- und Aufenthaltsräume für Hunderte von Kindern, Küchen, Wäschereien, Medizinräume, Sportplätze, Schulen, Theater- und Speisesäle, Kirchen. Die größte Kolonie Rosa Maltoni Mussolini für Kinder der Telegrafie- und Bahnarbeiter hatte ein Bauvolumen von 98.000 Kubikmetern auf 14.000 qm Fläche. Stefano Pivato charakterisiert diese Strategie des Regimes in seinem 2024 erschienenen Büchlein „Andare per le Colonie Estive“ als „Monumentalizzazione del welfare per l’infanzia“, eine Monumentalisierung der Kinderfürsorge. 

Die Sommerlager befanden sich in der Regel im Besitz des Staates oder halbstaatlicher Einrichtungen wie der Eisenbahn oder Post, in einigen Fällen großer privater Industrieunternehmen (wie der FIAT-Turm weiter nördlich in Marina di Massa). Erst gegen Ende der 70er Jahre kam es zur Stilllegung und Aufgabe dieser Einrichtungen. Die meisten wurden dem Verfall überlassen, die Rede ist von einem Leerstand von insgesamt zwei Millionen Kubikmetern Bausubstanz. Architekt Davide Berrugi, in der Gemeindeverwaltung von Pisa zuständig für Stadtplanung und Enteignungen: “Die Ursachen dafür sind im Anstieg des Familieneinkommens infolge des Wirtschaftsbooms zu suchen, also in der Fähigkeit der Familien, sich selbst zu organisieren und selbstständig zu entscheiden, wo sie ihren Urlaub verbringen möchten, woraus sich auch eine andere Wahrnehmung des Aufenthalts in einer Ferienkolonie ergibt, der dann fast als „Schande“ definiert wird.“ Für Generationen zuvor blieben die faschistischen Monumentalbauten „Contenitori di memorie“ (Erinnerungsbehälter), so Pivato. Die Sommerlager bedeuteten für die Kinder eine erste Trennung von den Eltern, oft auch eine erste Begegnung mit Meer, die Erfahrung kollektiver ideologischer „Ertüchtigung“. Wer diese Erfahrungen nicht als Familiengeschichte überliefert bekommt, erfährt heute in Calambrone gar nichts darüber. Keine Info-Tafeln am Ortseingang, keine Informationen an den einzelnen Bauten. Berrugi: … aber „es gäbe doch zahlreiche Tagungen und Bücher dazu“, die Sommergäste (zumal nicht-italienische) wohl kaum frequentieren konnten, wenn sie ans Meer zwischen Marina di Pisa und Livorno reisen. Die faschistische Vergangenheit ist in Italien wahlweise eine Selbstverständlichkeit oder eine „difficult heritage“, ein schwieriges Erbe. In beiden Fällen ist sie nicht lesbar, kommt – außer in Experten-Kreisen – nicht zur Sprache. 

Die gesamte Zone von Calambrone bis Marina di Pisa ist Teil des Naturschutzparks Migliarino San Rossore Massaciuccoli, der Ende 1979 nach langjährigen Kontroversen um den Erhalt der Landschaft und ihrer Artenvielfalt endlich eingerichtet wurde. Er erstreckt sich entlang der Küste der Provinzen Pisa und Lucca, umfasst die Kommunen von Pisa, Viareggio, San Giuliano Terme, Vecchiano, Massarosa und Livorno und 24.000 Hektar feuchter Zonen, Dünen, Wälder und Meeresschutzgebiete. Schon in der Vergangenheit gab es kritische Auseinandersetzungen um die Strukturpläne des Neuen Calambrone, die weitere Versiegelung der Landschaft und die Störung natürlicher Habitate. Akut protestieren Naturschützer, Anwohner, Friedensaktivisten gegen die Einrichtung einer neuen 70 – 130 Hektar großen Militärbasis, la Cittadella Militare, mit einem Bauvolumen von 450-000 Kubikmetern in eben diesem Schutzgebiet von San Rossore in Coltano. Erwartet werden Baustellen über mindestens zehn Jahre und Kosten in Höhe von 520 Millionen Euro. Diese soll der PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza) übernehmen, das italienische Programm im Rahmen der EU Mittel „Next Generation“, die nach der Pandemie eigentlich der Digitalisierung, der ökologischen Transition und der sozialen Inklusion gewidmet wurden. Die Bewegung „No Base
Coltano“ (nobasecoltano.it) hat auch für diesen Sommer wieder heftige Widerstände gegen die Regierungspläne angekündigt. Parallel dazu gibt es Demonstrationen und  kritische Presseartikel rund um das Camp Darby, die innerhalb des späteren Naturparks eingerichtet Militärbasis der italienischen Armee, die seit 1952 ein US-Militärdepot sowie ein NATO Kommando beherbergt und seit 2020 auch das Spezialkräftekommando des italienischen Heeres. 

Camp Darby ist eine von weltweit sechs amerikanischen Militärbasen, die sofort und gleichzeitig Truppen, Waffen, Munition und Ausrüstung mobilisieren können. Angeblich sind hier 20.000 Tonnen Munition für Artillerie, Missiles und Luftbomben eingelagert sowie 2600 Fahrzeuge, darunter 35 Abrams Panzer und 70 Bradley-Kampffahrzeuge. Camp Darby, 1000 Hektar groß, ist – kurz hinter dem Strand im Pinienwald liegend – perfekt angebunden an das italienische Schienennetz, den benachbarten Flughafen in Pisa, den Hafen in Livorno und die Autobahn. Von hier aus wurden in den 60er Jahren die amerikanischen Waffen nach Vietnam geliefert, in den 80er und 90er Jahren in den Nahen Osten und nach Lateinamerika, 1991 für den Irak-Krieg, dann für die Balkankriege, 2003 wieder in den Irak, 2006 in den Libanon und heute? 

Schon im November 2023 fragte die Fraktion der „Unione Popolare“ im Stadtrat von Pisa den Bürgermeister, ob von Camp Darby, dem Militärflughafen in Pisa oder angrenzenden zivilen Infrastrukturen aus Waffen nach Israel geliefert werden. Und ob das italienische Verteidigungsministerium oder die Autoritäten von Camp Darby die lokale Verwaltung über solche Bewegungen informiert habe. Am 17. Juni 2025 erscheint auf dem Pisaner online Kanal unacittaincomune.it die Schlagzeile: „Chiuso per guerra. Linea ferroviaria Pisa-Livorno bloccata per potenziare il rifornimento d’armi a Camp Darby“ (Wegen Krieg geschlossen. Eisenbahnlinie Pisa-Livorno gesperrt, um die Waffenlieferungen nach Camp Darby zu verstärken.) In der Tat hatte die italienische Eisenbahngesellschaft / Rete Ferroviaria Italiana (RFI) eine vormittägliche Schließung der Bahnverbindung zwischen beiden Städten vom 10. bis 20. Juni 2025 angekündigt. Weichen und Gleise müssten auf der Höhe von Tombolo (Camp Darby) ausgetauscht werden und dies könne nun nicht mehr nur nachts ausgeführt werden. Tombolo ist heute von zentraler Bedeutung als Verkehrskreuzung für den Transport von Waffen, Fahrzeugen und amerikanischen Truppen, die auf dem Seeweg aus den Vereinigten Staaten in Camp Darby ankommen und dann zur Unterstützung der Kriegsoperationen der USA/NATO in Afrika, im Nahen Osten und in Osteuropa weiterverteilt werden. Am 22.Juli 2025 berichtet die RAI, das staatliche italienische Fernsehen, über eine erhöhte Warnstufe in Camp Darby nach dem Angriff der US-Streitkräfte auf die iranischen Uran-Anlagen. Camp Darby, wo sich aktuell 12.000 US Soldaten aufhielten, könnte bei Vergeltungsschlägen selbst zum Ziel werden, es seien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen um die Kulturgüter und Handelszentren der Region eingerichtet worden. Die Proteste von Anwohnern und Aktivisten gegen Aufrüstung und Verschwiegenheit werden weiter anhalten. 

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Chi vuole andare al mare in Toscana si dirige verso le località balneari mondane della Versilia, le piccole baie a sud di Livorno o le ampie spiagge sabbiose della Maremma. Tra la foce dell’Arno e Livorno si trova una zona che sembra poco spettacolare: la costa piatta dell’antica repubblica marinara di Pisa, per decenni ignorata dal turismo, oggi in fase di trasformazione. All’inizio degli anni ’30 del secolo scorso, Mussolini fondò qui la città di Tirrenia, la “perla del Mediterraneo”, la “città dei bambini” a Calambrone e la prima Cinecittà d’Italia, “Pisorno”. Immersa nella riserva naturale del Parco Migliarino San Rossore Massaciuccoli e nelle immediate vicinanze del deposito militare delle forze armate statunitensi “Camp Darby”, qui si incontrano alte dune di sabbia, vasti complessi edilizi in rovina e la trasformazione delle ex colonie fasciste per bambini in resort turistici con piccoli appartamenti. 

L’accesso a questa zona tra Marina di Pisa e Calambrone è labirintico: provenendo da Livorno ci si perde in auto nel vasto complesso portuale, mentre da Pisa si cercano invano le indicazioni nel quartiere industriale. La località costiera di Marina di Pisa, a 13 km da Pisa, con le sue case a due piani e le ampie strade senza alberi, sembra ancora oggi un set cinematografico dall’aspetto metafisico. Era un piccolo villaggio di pescatori, dove Gabriele d’Annunzio tra l’altro trovò l’ispirazione per le poesie della sua raccolta “Alycone”, fino a quando nel 2013 è stato inaugurato il nuovo porto turistico con 344 posti barca. Questo fa parte di un progetto su larga scala di “riqualificazione” della costa pisana nel primo quarto del nuovo millennio. 

Lo storico porto marittimo della Repubblica di Pisa un tempo si trovava poco più a sud, a Calambrone. Dopo la conquista da parte dei fiorentini nel XV secolo, nel corso del tempo si insabbiò. Fu il Duce a promettere un nuovo futuro a questa terra di nessuno. Già negli anni ’20, l’entroterra paludoso fu bonificato con un sistema di irrigazione. Per promuovere l’ulteriore sviluppo urbanistico, l’Ente Autonoma Tirrenia (1932) diede vita in sette anni alla località balneare di Tirrenia, a sette monumentali colonie per bambini a Calambrone, alla prima Cinecittà italiana “Pisorno” (quattro anni prima della fondazione di quella romana) e la CMASA (Costruzioni Meccaniche Aeronautiche), una società operativa per la costruzione di idrovolanti Dornier. Oggi non c’è nemmeno un cartello che ricordi questa storia. Gran parte degli edifici degli anni ’30 sono ancora in piedi, alcuni in rovina, altri convertiti in resort turistici. Percorrendo la costa lungo il Viale del Tirrenio, si attraversa un scenario fantasma. 

La località balneare di Tirrenia fu fondata da Mussolini il 3 novembre 1932 e già nel gennaio 1933 il concorso di architettura fu vinto da un progetto razionalista. Fino all’inizio della guerra, tuttavia, furono realizzati solo pochi edifici: la stazione ferroviaria (1932), il bar/tabaccheria del signor Torelli (1934/35), la pensione Vittoria (1935/36), il complesso dell’Hotel Imperiale (1939) e alcune case private. La linea ferroviaria tra Pisa e Livorno, inaugurata nel 1936, registrò però presto un forte aumento: da 1.157.043 passeggeri nel primo anno a 3.721.635 passeggeri nel 1942. Nell’estate prima dell’entrata in guerra dell’Italia, ogni ora 1000 passeggeri frequentavano la linea verso il mare e lungo la costa. La famiglia Torelli trasferì infine il suo bar (ora una pizzeria) a Calambrone nel 2015. Il complesso alberghiero Imperiale fu chiuso nel 1996 e oggi ospita una sala giochi e appartamenti. L’Hotel Vittoria è ancora in attività. A Tirrenia oggi prevalgono i piccoli edifici 

di nuova costruzione del dopoguerra. Non c’è più traccia del fascino della Hollywood fascista. 

Gli studi cinematografici “Pisorno”, la “Hollywood” della costa tirrenica, sono ancora oggi visibili su Google Maps, ma sono stati ormai dimenticati. Se durante il weekend di Pasqua del 2025 non avessi incontrato Stefano, dodicenne, e i suoi coetanei, probabilmente non avrei proseguito. Mi sono avvicinato, come ho capito in seguito, al complesso degli studi dal retro. Superato un golf club attraverso i cespugli, si incontra un gigantesco edificio semicircolare a due piani, ormai vuoto, che da un anno è nuovamente in vendita. Un primo tentativo di trasformarlo in un alloggio turistico è fallito. Per i dodicenni, l’edificio ricoperto di graffiti è un pericoloso parco giochi avventuroso e, nelle ore tarde, un ritrovo per la scena della droga. Nel 1933 gli studi furono costruiti su progetto dell’architetto Antonio Valente in collaborazione con il regista Giovacchino Forzano e inaugurati nel 1937 per produrre film di propaganda del regime di Mussolini. “Pisorno” – una combinazione dei nomi delle città di Pisa e Livorno – aveva inizialmente tre, poi cinque studi cinematografici, tra cui i due più grandi d’Europa con dimensioni di 50 x 30 x 16 m. Furono i primi studi per film sonori su un terreno di 200.000 mq. Vi venivano prodotti fino a 15 film all’anno con attrezzature all’avanguardia: innovative traverse luminose mobili, stanze per attori e comparse, sartoria, deposito per 8000 costumi, parrucchieri, studi di cosmetica, officine, sale di proiezione, strutture per lo sviluppo dei film e laboratori di stampa, sale per tecnici, una mensa… Sotto Mussolini furono indetti diversi concorsi per promuovere la propaganda cinematografica, una delle prime produzioni fu “Camicia Nera” (1933) di Giovacchino Forzano, che racconta la storia di una famiglia italiana dal 1914 al 1932, dalla povertà all’emigrazione fino alla gloriosa epoca del Duce. Il film non solo fu proiettato in tutti i cinema italiani, ma anche a Berlino, Parigi, Londra e New York. Valente ne aveva progettato la scenografia. Era un fedele sostenitore e amico di Mussolini, progettò anche appartamenti di lusso nei dintorni degli studi e, dopo la guerra, nel 1954, la chiesa di San Francesco a Tirrenia. Lì, dal 1995, una lapide lo ricorda. La strada davanti al complesso Pisorno si chiama ancora oggi Via Pisorno e davanti agli studi diventa Via Antonio Valente. 

Durante la seconda guerra mondiale gli studi furono occupati prima dai tedeschi e poi dagli americani (fino al 1952, quando fu istituito il vicino Camp Darby). Nei primi anni del dopoguerra furono realizzati film impressionanti come “Tombolo, Paradiso nero” di Giorgio Ferroni (1947) o “Senza Pietà” di Alberto Lattuada (1948) sulla vita quotidiana locale, caratterizzata da povertà, mercato nero, prostituzione e presenza dei soldati americani. Nella vicina Livorno esiste ancora oggi un Mercato Americano, un tempo leggendario, dove furono venduti per la prima volta, tra le altre cose, il dentifricio Colgate, le sigarette Lucky Strike e i marshmallow. Negli anni successivi, grandi nomi lavorarono a Pisorno, tra cui i registi Joseph Losey, Vittorio de Sica, Sergio Corbucci, Marco Ferreri ed Elio Petri. 

Nel 1961 il produttore cinematografico Carlo Ponte tentò con la sua Cosmopolitan Film un revival degli studi, che però durò solo otto anni. Nel 1987 Paolo e Vittorio Taviani riaprirono gli studi, nel frattempo ribattezzati “Cosmopolitan”, per girare alcune scene di “Good Morning Babilonia”, un film su due fratelli toscani che partono alla ricerca della fortuna nel cinema americano. Nel 1979 la figlia e il genero di Carlo Ponti, Guendalina e Walter Veltroni, acquistarono il terreno per uno sviluppo turistico e costruirono un primo campo da golf. Tra il 1990 e il 1993 Aldo Rossi costruì una club house. Gli studi nel “centro storico” degli studi cinematografici dovevano essere trasformati in un centro congressi multifunzionale e i tre studi adiacenti in un hotel. I progetti e i disegni di Aldo Rossi si trovano oggi nell’archivio del museo MAXXI di Roma. Nel 2001 il terreno situato nel cuore del parco naturale è diventato proprietà di imprenditori locali. 

Solo pochi giorni fa, l’8 luglio 2025, sono state installate 20 targhe “in onore degli studi cinematografici di Tirrenia e del cinema italiano, che qui ha avuto i suoi inizi” (pisatoday.it). L’installazione è stata realizzata dal Comune di Pisa sulla parete esterna degli ex studi Cosmopolitan. “A Tirrenia si è svolta la storia del cinema italiano”, ha detto il sindaco Michele Conti. “Con questa installazione abbiamo voluto rendere omaggio a una storia importante e ridare dignità alla storia della nostra città, che altrimenti rischierebbe di cadere completamente nell’oblio”. Sui pannelli sono visibili le foto di alcuni film girati a Tirrenia tra il 1934 e il 1969, tra cui “Enrico Caruso” con Gina Lollobrigida (1951), “Pellegrini d’amore” con Sophia Loren (1954), “Il coraggio” con Totò (1955), “Tre straniere a Roma” con Claudia Cardinale (1958), “Frenesia dell’estate” con Vittorio Gassman e Sandra Milo (1964) e “Donna scimmia” con Ugo Tognazzi (1964). 

Poche centinaia di metri più avanti lungo la costa, Tirrenia confina con Calambrone. Sul mare si affacciano gli stabilimenti balneari, ora privatizzati, con i loro portali d’ingresso in parte storici risalenti agli anni ’30 e ’50: Bagno Tirrenia, Bagno Venere, Bagno Roma, Bagno Vittorio… Un gruppo di ragazze sconsiglia di frequentare il Bagno degli Americani, perché ci sono troppi ragazzi. Alla fine di Viale del Tirreno si ergono le gru del porto di Livorno. Fino al 2005 Calambrone non aveva alcuna infrastruttura urbana. Fino ad allora, tra Marina di Pisa e Calambrone vivevano solo 600 abitanti. Con il nuovo piano strutturale, approvato nel 1995/1998 e rivisto nuovamente nel 2005, è stato avviato il grande progetto di sviluppo urbano e immobiliare: “Il Nuovo Calambrone”. 80.000 mq di edifici esistenti dovevano essere riutilizzati e commercializzati, mentre su 75.000 mq dovevano sorgere nuovi edifici. Un terzo dei 660.000 mq di Calambrone – all’interno del Parco Migliarino San Rossore Massaciuccoli – sarà edificato in futuro. Il patrimonio architettonico delle ex colonie mussoliniane poteva essere privatizzato al 90%. L’unica colonia che nel 2025 non è ancora stata “ristrutturata” è la Colonia Firenze. Gli altri sei complessi monumentali sono stati destinati al turismo. 

Mentre sul lato destro del viale che porta al mare si trovano le sette ex colonie estive e numerose rovine di vecchi edifici, sul lato sinistro della strada è stato costruito un centro commerciale con negozi, farmacia, gelateria, pizzeria e agenzia immobiliare. Di fronte alla Colonia Rosa Maltoni Mussolini (1932-35) si trova l’ex ospedale americano, ancora in rovina, che secondo una convenzione del 2021 dovrebbe servire in futuro ai Vigili del Fuoco. Alcuni degli ex campi estivi, che hanno ospitato centinaia di migliaia di bambini italiani per quattro decenni, portano ancora i loro nomi storici sui portali d’ingresso o sulle facciate: Casa al Mare il Fabbricone, O.P.A.F.S Soggiorno Vacanza per Figli dei Ferrovieri, Colonia Vittorio Emanuele III, Soggiorno Vigili del Fuoco S. Barbara, Lido Polizia di Stato, ecc. Commercialmente sono ora denominati: Toscana Sport Resort, Regina del Mare s.r.l./ Residence “Beach & Sport” o Toscana Charme Resort. In queste nuove strutture turistiche si trovano fino a 60 cassette postali per edificio sul lato della strada, ma la maggior parte di esse è ancora senza nome. I portali immobiliari online offrono 196 appartamenti a Marina di Pisa, 210 a Tirrenia e 96 a Calambrone. Si tratta di piccoli appartamenti di lusso con una superficie abitabile di 50-80 mq, spesso con uso piscina, e un prezzo al metro quadro di 4-5000 euro. In nessuno degli annunci si fa riferimento alla storia fascista dell’edificio, difficilmente si vedono foto degli esterni, né tantomeno dell’intero complesso edilizio. „Immaginate di svegliarvi ogni giorno con il rumore delle onde e il profumo della pineta. Questo loft è più di una semplice casa: è un’esperienza sensoriale, un luogo senza tempo che unisce il fascino della storia all’eleganza del design contemporaneo“ (da uno degli annunci). Dall’autunno alla primavera, al di fuori della stagione balneare, Calambrone continua a essere uno sfondo vuoto. In estate, ogni metro quadrato di spiaggia viene commercializzato, anche se gran parte delle sdraio nel luglio 2025 non sono occupate. Sulla costa settentrionale della Versilia, quest’estate si diffonde un clima di crisi: il mare è 

caldo, gli stabilimenti balneari di lusso funzionano, ma la categoria media degli stabilimenti balneari, solitamente frequentati dagli italiani, sta crollando. 

Mentre il turismo di massa ha avuto inizio nella seconda metà del XX secolo, i poteri curativi del clima marino erano già sfruttati in campo medico durante l’industrializzazione della metà del XIX secolo. Intorno al 1869, in Italia il 22-24% dei neonati nasceva malato. La tubercolosi e la scrofola erano le cause principali dell’elevata mortalità infantile. Nel 1842 fu inaugurato a Pisa il primo “Ospizio Marino di Lucca” per curare i bambini affetti da tubercolosi. Già nel 1872 l’ospedale fu ampliato. All’inizio del XX secolo in Italia esistevano già 50 strutture di questo tipo, per lo più situate in zone periferiche per non interferire con il turismo emergente. Con la fondazione dell’Opera Nazionale Barilla nel 1926 (in seguito Opera Nazionale per la Protezione della Maternità e dell’Infanzia), il regime fascista italiano assunse la responsabilità dell’educazione patriottica dei piccoli “uomini nuovi”. L’infanzia divenne un progetto nazionale di culto del corpo di parte. I bambini dai 6 ai 13 anni dovevano trascorrere due settimane al mare durante l’estate con un preciso programma di attività collettive e militaristiche. Il personale delle strutture era “di sicura fede fascista”. Se nel 1927 erano 80.000 i bambini che partecipavano a questi programmi ricreativi, nel 1938 erano già 772.000. Nel 1942 in tutta Italia c’erano 5805 strutture di questo tipo per 940.615 bambini. La portata era significativamente maggiore rispetto a quella del Kinderlandverschickung nella Germania nazista, che aveva lo scopo di evacuare i bambini soprattutto durante la guerra. Lungo la costa adriatica, ma anche a Calambrone e Marina di Massa in Toscana, le colonie di Mussolini dovevano incarnare la “magnificenza e generosità del regime” e impressionare anche i più piccoli e le loro famiglie. 

Tra il 1932 e il 1939 a Calambrone sorsero sette colonie estive di questo tipo direttamente sulle dune di sabbia, a meno di 100 metri dal mare: le colonie Rosa Maltoni Mussolini, Firenze, Principe di Piemonte, Regina Elena, Servizi di Calambrone, Fasci Italiani all’Estero, Vittorio Emanuele III e Marina Costanzo Ciano. Si trattava di complessi piatti, moderni, spaziosi e monumentali, che spesso riprendevano motivi fascisti nelle loro planimetrie e disponevano di tutte le strutture necessarie, come dormitori e sale ricreative per centinaia di bambini, cucine, lavanderie, infermerie, campi sportivi, scuole, teatri, sale da pranzo e chiese. La più grande colonia, Rosa Maltoni Mussolini, destinata ai figli dei telegrafisti e dei ferrovieri, aveva un volume edificato di 98.000 metri cubi su una superficie di 14.000 metri quadrati. Stefano Pivato caratterizza questa strategia del regime nel suo libretto pubblicato nel 2024 “Andare per le Colonie Estive” come “Monumentalizzazione del welfare per l’infanzia”. 

I campi estivi erano generalmente di proprietà dello Stato o di enti semipubblici come le ferrovie o le poste, in alcuni casi di grandi aziende industriali private (come la torre FIAT più a nord, a Marina di Massa). Solo alla fine degli anni ’70 queste strutture furono chiuse e abbandonate. La maggior parte di essi fu abbandonata al degrado, si parla di un totale di due milioni di metri cubi di edifici vuoti. L’architetto Davide Berrugi, responsabile dell’urbanistica e delle espropriazioni presso l’amministrazione comunale di Pisa, afferma: “Le cause di ciò sono da ricercarsi nell’aumento del reddito familiare a seguito del boom economico, ovvero nella capacità delle famiglie di organizzarsi autonomamente e decidere da sole dove trascorrere le vacanze, il che ha portato anche a una diversa percezione del soggiorno in una colonia estiva, che viene quasi definito come una ‚vergogna‘“. Per le generazioni precedenti, gli edifici monumentali fascisti sono rimasti “contenitori di memorie”, secondo Pivato. I campi estivi hanno significato per i bambini una prima separazione dai genitori, spesso anche un primo incontro con il mare, l’esperienza di un “addestramento” ideologico collettivo. Chi non ha ricevuto queste esperienze come storia 

familiare, oggi a Calambrone non ne sa nulla. Nessun cartello informativo all’ingresso del paese, nessuna informazione sui singoli edifici. Berrugi: “ci sarebbero comunque numerosi convegni e libri sull’argomento”, che gli ospiti estivi (soprattutto quelli non italiani) difficilmente potrebbero frequentare se si recano al mare tra Marina di Pisa e Livorno. Il passato fascista in Italia è o una cosa ovvia o un “difficult heritage”, un’eredità difficile. In entrambi i casi non è leggibile, non se ne parla, tranne che negli ambienti degli esperti. 

L’intera zona da Calambrone a Marina di Pisa fa parte del Parco Migliarino San Rossore Massaciuccoli, istituito alla fine del 1979 dopo lunghi anni di controversie sulla conservazione del paesaggio e della sua biodiversità. Si estende lungo la costa delle province di Pisa e Lucca, comprende i comuni di Pisa, Viareggio, San Giuliano Terme, Vecchiano, Massarosa e Livorno e 24.000 ettari di zone umide, dune, boschi e riserve marine. Già in passato ci sono state discussioni critiche sui piani strutturali del Nuovo Calambrone, sull’ulteriore impermeabilizzazione del paesaggio e sul disturbo degli habitat naturali. Ambientalisti, residenti e attivisti per la pace protestano con forza contro la creazione di una nuova base militare di 70-130 ettari, la Cittadella Militare, con un volume di costruzione di 450.000 metri cubi proprio in questa zona protetta di San Rossore a Coltano. Si prevedono cantieri per almeno dieci anni e costi pari a 520 milioni di euro. Questi costi saranno sostenuti dal PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza), il programma italiano nell’ambito dei fondi UE “Next Generation”, che dopo la pandemia erano stati destinati alla digitalizzazione, alla transizione ecologica e all’inclusione sociale. Il movimento “No Base Coltano” (nobasecoltano.it) ha annunciato anche per quest’estate una forte opposizione ai piani del governo. Parallelamente, ci sono manifestazioni e articoli di stampa critici sul Camp Darby, la base militare dell’esercito italiano situata all’interno del futuro parco naturale, che dal 1952 ospita un deposito militare statunitense e un comando NATO e dal 2020 anche il comando delle forze speciali dell’esercito italiano. 

Camp Darby è una delle sei basi militari americane al mondo in grado di mobilitare istantaneamente e simultaneamente truppe, armi, munizioni ed equipaggiamento. Si dice che qui siano immagazzinate 20.000 tonnellate di munizioni per artiglieria, missili e bombe aeree, oltre a 2.600 veicoli, tra cui 35 carri armati Abrams e 70 veicoli da combattimento Bradley. Camp Darby, che si estende su 1.000 ettari e si trova appena oltre la spiaggia, nella pineta, è perfettamente collegato alla rete ferroviaria italiana, al vicino aeroporto di Pisa, al porto di Livorno e all’autostrada. Da qui, armi americane sono state consegnate al Vietnam negli anni ’60, al Medio Oriente e all’America Latina negli anni ’80 e ’90, alla guerra in Iraq nel 1991, poi alle guerre balcaniche, di nuovo all’Iraq nel 2003, al Libano nel 2006 e oggi? Già nel novembre 2023, la fazione dell’Unione Popolare nel Consiglio Comunale di Pisa chiese al sindaco se le armi venissero spedite in Israele da Camp Darby, dall’aeroporto militare di Pisa, o da infrastrutture civili adiacenti. E se il Ministero della Difesa italiano o le autorità di Camp Darby avessero informato l’amministrazione locale di tali movimenti. Il 17 giugno 2025, il titolo „Chiuso per guerra. Linea ferroviaria Pisa-Livorno bloccata per potenziare il rifornimento d’armi a Camp Darby“ apparve sul canale online di Pisa unacittaincomune.it. Infatti, le Ferrovie dello Stato (RFI) avevano annunciato la ciusura mattutina del collegamento ferroviario tra le due città dal 10 al 20 giugno 2025. Scambi e binari dovevano essere sostituiti nei pressi di Tombolo (Camp Darby), e ciò non poteva più essere fatto solo di notte. Tombolo è ora di fondamentale importanza come snodo del traffico per il trasporto di armi, veicoli e truppe americane che arrivano a Camp Darby via mare dagli Stati Uniti e vengono poi ridistribuiti a supporto delle operazioni belliche USA/NATO in Africa, Medio Oriente ed Europa orientale. Il 22 luglio 2025, la RAI, la televisione di stato italiana, ha riferito di un livello di allerta elevato a Camp Darby a seguito dell’attacco statunitense agli impianti di uranio iraniani. Camp Darby, che attualmente ospita 12.000 soldati statunitensi, potrebbe diventare a sua volta bersaglio di 

attacchi di rappresaglia e sono state implementate maggiori misure di sicurezza intorno ai beni culturali e ai centri commerciali della regione. Le proteste di residenti e attivisti contro il riarmo e la segretezza continueranno. 

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